Was ist Logotherapie?
Logotherapie ist eine auf Sinn ausgerichtete Psychotherapie.
Sie stellt den Menschen in den Mittelpunkt und nimmt ihn so wie er ist. Sie ist überzeugt davon, dass jeder Mensch etwas Einzigartiges, zum Ganzen gehöriges Wesen ist.
Sie begleitet und hilft den Menschen seinen jeweiligen Sinn zu finden.
Jeder Mensch ist im Innersten auf Sinn ausgerichtet. Hat er den Willen zum Sinn verloren, wird er krank, frustriert oder fällt ins Leere oder in die Orientierungslosigkeit.
Durch das Motivieren der Wertemöglichkeiten, leistet er Hilfestellung zu einem sinnerfüllten Dasein.
Durch die Gegebenheit der geistlichen Dimension, in der der Mensch befähigt ist, aus sich selbst herauszutreten und sein Leben zu betrachten, kann er ihn ermutigen zu ihm Stellung zu nehmen.
Er kann zu sich selbst sagen, du spielst nicht mehr mit bei diesem Spiel, die die Welt veranstaltet. Jeder kennt den Preis und nicht den Wert. Und sich selbst, kennt er am allerwenigsten, weil nur das Äußerliche das Wichtige zu scheinen scheint. Das der Mensch selbst der Mittelpunkt des Lebens ist verkümmert.
Die Kinder fühlen sich um ihr Dasein betrogen.
Gott sei Dank, gibt es noch Möglichkeiten, die man ergreifen kann. Die jeweiligen, stimmigen Werte, die für jeden einzelnen zählen. Es sind das doch die einfachsten, Liebe, Heimat, Treue, Würde, Vertrauen, Toleranz, Hilfsbereitschaft.
Aus diesen Dingen können wir Sinn schöpfen. Nicht aus Geld, Macht usw.
Am Besten leben wir, wenn wir im Augenblick leben. Wenn wir genießen, trauern, wütend sind, lachen und uns selbst vergessen.
Wenn wir das tun, dass wir für richtig empfinden.
Die Logotherapie erzieht uns zu einem sinnerfülltem Leben, und dieses können wir nur erreichen, wenn wir unsere Werte verwirklichen.
Ob ich heute ein Jahr lang nichts tun will, einen hohen Berg besteigen will, mit einer Freundin Silvester verbringen will, mit meiner Tochter einen Schneemann baue, es muss für mich stimmig sein.
Dann kann ich nicht über Sinnlosigkeit klagen.
Wenn ich keinen Sinn mehr sehen kann, dann hilft die Logotherapie indem sie bewusst macht, dass die untastbare Person im Menschen vorhanden ist.
Er versucht den Menschen wieder aufmerksam zu machen auf sich selbst und seine individuelle Antwortmöglichkeit des Lebens.
Sie unterstützt und begleitet beim Loslassen und Aufgeben eingeübter Muster, Vor-Stellungen, bei Auflösung von Bildern, die wir uns zurecht gelegt haben, um zu „überleben“!
Schutzmauern, Masken werden behutsam (mehr oder weniger) fallen – gelassen um zum eigenen Kern zu gelangen.
Diese Behandlungsmethode ist vor allem auf Sinnmöglichkeit und Geist ausgerichtet.
Das soll aber nicht bedeuten, dass die Psyche und das Körperliche weniger wichtig sind. Frankl sagt, der Mensch ist eine leiblich-seelische-geistige Einheit.
Um den Menschen begleiten und helfen zu können muss man diese drei Dimensionen gleichwertig im Auge behalten.
Also Logotherapie heißt wörtlich übersetzt: den Menschen bei seiner Sinnsuche begleiten und ihn mit seinen Möglichkeiten, zur Selbsthilfe motivieren.
Frankl meint, dass der Mensch nicht nur da sein, sondern er will sinnvoll sein.
Die Neurose ist ein Leiden der Seele, die ihren Sinn noch nicht gefunden hat.
Die Logotherapie kann auch bei der Suche nach Halt und Orientierung, Hilfe leisten.
Frankls eigenes Schicksal gab ihm die Gelegenheit die Wichtigkeit- einen Sinn im Leben zu haben - unter Beweis zu stellen. Er glaubte fest an eine Verwirklichung seiner verfassten „Ärztlichen Seelsorge“ die er teilweise im Konzentrationslager schrieb, und er stellte sich im Lager auch immer wieder vor, seine Theorie in warmen Vortragssälen zu referieren. Er überlebte durch sein „Wozu“ zum Leben.
Auf die Besonderheit, einen Sinn im Leben zu haben, ein Wozu zu leben und ein Leben auf ein Ziel hin, wurde Frankl durch sich selbst und den vielen „lebensmüden“ Jugendlichen seiner Zeit aufmerksam.
Frankl will den seelisch gesunden Menschen bei Krisen begleiten und den seelisch kranken Menschen unterstützen und seine geistige Kraft mobilisieren um selbst gegen seine Krankheit vorzugehen.
Existenzielle Frustration:
Warum lebe ich überhaupt?
Kann das alles gewesen sein?
Was bringt das alles?
Oder wenn man einfach nicht weiß, was man eigentlich will.
Was man werden soll, für was man eigentlich geboren wurde, für was ich eigentlich diese Arbeit mache, warum ich mir das überhaupt antue?
Wenn einem schon graut, was der nächste Tag bringen soll, wenn ich keinen Antrieb mehr habe, wenn mir gar nichts mehr wichtig erscheint.
Wenn ich ständig frustriert bin und gar nicht weiß warum. Wenn mich Leute anreden, warum ich denn ständig so finster dreinschaue, und es mir selber gar nicht mal bewusst ist. Wenn ich mich mit Mühe von einer Stunde zur anderen kämpfe, nur damit ja die Zeit vergehe.
Dahinter steht die Sinnfrage. Bewusst oder unbewusst. Wie Frankl meint, ist das in Frage-Stellen des Lebenssinns das Menschlichste im Menschen.
Frankl meint, dass dem Menschen heutzutage keiner mehr Richtlinien (früher waren dies Traditionen) für ein Leben geben kann, er fühlt sich durch das Überangebot an Welt überfordert und hilflos. Entweder tut er nur mehr das was andere tun, oder was andere wollen. (Wenn er „ganz“ gesund ist tut er das Gegenteil) Dahinter steckt die Angst vor der Leere, die mit allem möglichen „zugeschüttet wird“ um ja nicht unterzugehen. Um mit zu schwimmen und keiner weiß eigentlich wohin er schwimmt. Somit empfindet er auch eine innere Leere, die ihm vielleicht gar nicht bewusst ist, Frankl nennt sie das „existentielle Vakuum“!
Durch das Eingehen auf den geistigen Anteil, die Person, wird ihm vermittelt, dass der Mensch selbst in der Lage ist sein Leben zu ergreifen, und in der Lage ist seinen Weg selbst zu gestalten. Es ist so eine Art „anders Hinschauen“. Er muss sich nicht den gegebenen bzw. nicht gegebenen Tatsachen hingeben, er kann auch selbst agieren. Er hat die Freiheit, wie er zu was steht. Was er daraus macht, wie er damit umgeht, ob er sich alles gefallen lässt, ob er etwas ändert, oder ob er aufgibt. Hinzuhören und aufmerksam werden, was das Leben fragt - und es liegt an ihm wie er antwortet. Also es liegt viel an ihm selbst und das gibt viel Selbstbewusstsein. Es schwindet ein bisschen dieses Ausgeliefert sein in die Welt.
Dazu kommt, das in der geistigen Dimension deutlich wird, dass wir ein einzigartiges Wesen sind, und ein nicht verzichtbarer Teil des Ganzen. Durch dieses Bewusst werden bekommt unser Dasein schon Sinn - indem wir da sind.
Da es noch denn Sinn Wozu gibt, der das Leben lebenswert macht, hilft die Logotherapie die Sinnmöglichkeiten jedes einzelnen zu entdecken und zu verwirklichen.
Verantwortlich für seine Entscheidungen gegenüber den Möglichkeiten ist der Mensch aber selbst.
Die Logotherapie macht sich zur Aufgabe den Menschen zu einem für jeden einzelnen stimmigen Weg zu finden, um zu einem sinnerfüllten Dasein und somit zu seinem eigenen Weg zu gelangen. Dazu braucht er ein Ziel, damit er weiß wo er hin will. Der Logotherapeut mobilisiert den Sinnwillen jedes einzelnen, und wenn er noch nicht vorhanden ist, weil er eventuell verschüttet, verdrängt, oder wo stecken geblieben ist, zu wecken. Sinnerfüllung hat mit äußerlichem Erfolg oder Misserfolg nichts zu tun.
Die Logotherapie ist nicht rückwärts blickend, sondern schaut was wir trotzdem aus unserem Leben gemacht haben. Sie wird auf das dennoch Geglückte aufgebaut und stabilisiert.
Sie begleitet in der Zeit der Veränderung, im Vollziehen der gefundenen Werte, und verhilft zu einer freien, verantwortenden und selbstgestaltenden Zukunft. Diese Werte zu verwirklichen, werden unterstützt, da sie sich lohnen, aber auch mit Unsicherheiten verbunden sein können.
Die Sinnsuche ist durch Werte zu verwirklichen.
Sinn kann gefunden werden in der Verwirklichung von Werten
Es gilt den Menschen aufmerksam zu machen und auf sein Berührt sein - Können. Dann können durch die individuellen Möglichkeiten, Werte entwickelt werden. Dabei müssen diese Werte nicht groß sein, laut und mächtig erwartet (bzw. erfahren) werden.
Die Werte sind vor allem im Kleinen und Leisen zu entdecken. Sie können im Kleinsten, scheinbar unbedeutsamen Tun, Erleben und Denken verborgen sein. Die Größe, das Wichtige für den Menschen, das Bedeutsame für ihn, entwickelt sich dann über sein Berührt sein und Empfinden seines Wertes. Über dieses Bewusst werden der tiefen Empfindung und somit Berührung in seinem Tun, Schaffen und seiner Einstellung kann er seinen Wert und damit seinen Sinn für den jeweiligen Augenblick und sogleich für sein Leben finden.
Am erfüllensten kann die Einsicht sein, dass man auch im Nichtstun und der Freude hingebend, ausreichend Sinn erfahren kann.
Der höchste Wert, ist der, dass man auch noch einen Sinn finden kann, wenn man körperlich und seelisch nicht mehr kann.
Über die Einstellung zu seinem Sosein, kann man über sich hinauswachsen und somit noch im Aussichtslosen, Bereicherung erfahren kann.
Dieses Bewusstwerden nicht anzustreben und nicht zu verwirklichen ist verantwortungslos und führt zur Sinnlosigkeit. Frankl spricht vom Aufforderungscharakter jeder einzelnen Situation.
Störung im Wertempfinden:
Kann ich nicht mehr spüren – empfinden?
Sollte ich mich von meinen Werten leicht abbringen lassen, dann ist das ein Zeichen dafür, dass die Tiefe des Wertempfindens gestört ist. Sei es durch seelische Verletzungen, wenn ich mich selbst für andere geopfert habe, wenn ich meine nicht ernst genommen habe, wenn ich auf ihnen herumgetrampelt bin, oder ein anderer, dann habe ich das Fühlen verlernt.
Ich kann mir Werte auch nicht schönreden, das wäre ein Zeichen von „Nicht ernst nehmen“. Werte fordern uns ganz, und Halbherzigkeit führt zum Burn out. In einer Krise kann man nicht entscheiden. Wenn sich jemand über mich lustig macht, oder meine Werte abwertet, bekommt mein Wertempfinden auch schon einen Knacks.
Wenn ich als Kind zum Beispiel vor einer Pfütze stehe, und schon in freudiger Erwartung am Absprung stehe, beinahe schon das Platschen hören kann – dann ist das für mich in dieser Situation der beste Wert – und ich dann aus welchen Gründen auch immer, davon abgehalten werde – die ich dann natürlich nicht verstehen kann, wird schon ein Stern in mir ausgelöscht. Somit mein Wertempfinden falsch „erzogen“!
Die dadurch entstandenen Schutzmauern hindern uns weiters beim Fühlen und wir bewegen uns an der Oberflächlichkeit Wir können unseren Grund, unsere Tiefe, unseren Halt nicht spüren. Alle Werte schwimmen an der Oberfläche und sind gleich – gültig. Wenn einem alle Werte gleich- gültig sind, sind sie noch nicht empfunden worden. Gleichzeitig werden wir dann aber auch unsicherer, sprunghafter, wechselhafter und anfälliger für „Ersatzbefriedigung“ (zieht in die falsche Richtung)!
Kopf hoch, das Wertempfinden kann wieder be-lebt werden. (Lebendig – leb endlich!)
„Nenne keine Empfindung klein, keine Empfindung unwürdig! Gut, sehr gut ist jede, auch der Hass, auch der Neid, auch die Eifersucht, auch die Grausamkeit. Von nichts anderem leben wir als von unseren armen, schönen, herrlichen Gefühlen, und jedes, dem wir unrecht tun, ist ein Stern, den wir auslöschen.“
Hermann Hesse: Die Antwort bist du selbst
Welche Werte haben mich bis jetzt getragen?
Wie habe ich das alles überlebt?
Die Logotherapie ermutigt zu Genuss, Lebensfreude, Lebenskunst, Vergnügen und stärkt in Stunden der Trauer, der Hoffnungslosigkeit, Aussichtslosigkeit, Fassungslosigkeit und Lebensmüdigkeit. Sie umspannt einen großen Bogen, das Leben eben.
Die Logotherapie ist im Prinzip Erziehung zur sinnorientierten Verantwortung.
Weshalb kann Sinn nicht verordnet werden?
Ich kann einem Menschen den jeweiligen Sinn nicht einreden, oder befehlen.
Eine Sinnmöglichkeit aufleuchten lassen schon. Dazu muss der Sinn aber zur jeweiligen Person und Situation passen, und es bleibt seinem Willen überlassen ihn zu wollen.
„Sinn“ ist die Forderung der Stunde und kann nicht generalisiert werden. Für jeden Einzelnen bedeutet er etwas anderes und jede Wertmöglichkeit wird verschiedentlich aufgenommen. Frankl sagt, dass der Sinn in jeder Situation gefunden, aber nicht erfunden werden kann. Er muss entdeckt werden.
Um den Sinn zu erfüllen braucht es für jeden einzelnen die Verwirklichung seiner Werte.
Der Mensch kann seinen Sinn bzw. Wert nur selbst erspüren und als Motor empfinden. Dazu muss ich mich auf den Moment konzentrieren, wenn ich im Augenblick schon wieder an nachher denke, und an viele andere Sachen (Sorgen machen) kann ich auf die jetzt geforderte Aufmerksamkeit nicht eingehen. Werte drücken nicht sie ziehen.
Was man ihm ans Herz legen kann, ist höchstens hellhöriger, aufmerksamer durch die Welt zu gehen und sich berühren zu lassen auf eventuelle Gegebenheiten, die er dann ergreifen kann.
Zum Beispiel könnte er einem alten Freund, den er auf der Straße trifft mit üblichen Begrüßungsformeln abspeisen, oder, wenn er sich freut ihn zu sehen (spürt), auf diese Wertmöglichkeit antworten und ihn spontan auf einen Kaffee einladen, um sich mit ihm zu unterhalten. Wenn er diese Freude erspürt, kann er immer noch entscheiden, ob er ihn einlädt oder nicht.
Für einen anderen Menschen ist dieser Freund ein Mensch, wie viele andere.
Zu jeder einzelnen Stunde und bei jedem einzelnen Menschen kommt ein anderer Sinn zur Geltung und aus den vielen kleinen Teilen, die uns die Welt zur Verfügung stellt, können wir was machen. Wir entscheiden uns für eine Tat in der momentanen Sekunde, und nehmen diese dann mit in unsere Vergangenheit. Aus allen anderen Möglichkeiten konnten, oder wollten wir einfach keine Wichtigkeit sehen und sie somit zu einem Teil unserer Geschichte machen.
Wenn wir uns anders entschieden hätten, hätten wir jetzt auch eine andere Vergangenheit. Wir haben eigentlich ganz viel Einfluss auf unser Leben. Wenn wir uns die für uns wichtig erscheinenden Angebote aus dem Leben greifen, wird es sinnvoller sein.
Für mich persönlich stellt sich nun die Frage; Wann will ich damit anfangen? Gut wäre es, wenn ich gleich beginnen würde, wäre schade, wenn ich die Zeit die mir hier auf der Erde bleibt , nicht ausnützen würde, und die Fülle meines Angebots, meiner persönlichen Wichtigkeiten und Bedürfnisse nicht sofort auskosten würde.
Es würde schon ein Geruch aus der Kindheit ein „schöner“ Sinn sein, der sich durchs ganze Leben zieht, wenn ich mich immer wieder gern daran erinnere und erfühlen kann wie wohl er tut, kann der Geruch dann nicht schon Sinn genug für mein Leben sein?
Die Kindheit kann somit nicht umsonst gewesen sein und mein Leben nicht sinnlos. Ich freue mich auf die vielen Kleinigkeiten denen ich noch aufmerksam werde und mit Verantwortung darauf ant – worten kann. Ab jetzt!
Und wann wird es schön?
Und wann wird es schön? Wenn erst ein Ding und eine Schachtel, erst noch ein Achtel Ring und der Stein ins Meer
Erst noch
Eine Kommode den Keller gefaltet
Verborgenen
Teddy beatmet und Laken gestopft und geglättet aber wann wird es schön?
Erst noch Wasser den Fluss den Stuhl vom Balkon und ein Essen ein
Aufgeblasener Keller, Schrank, Ecken, blau,
aber wann wird es schön? Noch ein Lacktröpfchen, noch ein Müllsäckchen,
noch ein Sammlungstütchen und eine
milde Hose, erst noch lieben, üben
und kranken und zanken und totsein
und wann wird es gut
aber wann wird es gut
(Sabine Techl)
Aber wie kann ich wissen, dass ich mich in dieser Sekunde für das Richtige entscheide? Hätte ich mich doch anders entscheiden sollen? Hätte ich doch dem anderen Wert mehr Aufmerksamkeit geben sollen?
Das Gewissen – als Kompass zur Sinnfindung
Wie definiert V. Frankl das Gewissen?
Für Frankl gibt es auch eine unbewusste Verantwortung gegenüber unseren Entscheidungen -das Gewissen. Es leitet uns auf der Suche nach Sinn. Er nennt es auch das Sinnorgan. Man könnte auch sagen, es ist die Fähigkeit, den einmaligen, einzigartigen Sinn, der in jeder Situation verborgen ist, aufzuspüren. Er bezeichnet das Gewissen als spezifisch menschliches Phänomen und ist der geistigen Ebene zuzuordnen.
Dieses Schauen nach Werten kann nur die Intuition. (lat. Intueri =an-schauen), nicht das Wissen, der Intellekt oder das Gefühl. Das Gewissen erschließt das Sein-Sollende für mich persönlich und zeigt mir Mögliches. Sie fordert in der Stunde, den Sinn des Augenblicks zu ergreifen. Da das Gewissen an die Endlichkeit der Menschheit gebunden ist, ist auch ein Irren möglich. Die Erziehung zur Verantwortung gegenüber dem Gewissen ist mehr denn je notwendig.
Frankl meint, dass es besser wäre statt immer mehr Wissen anzuhäufen, das Gewissen zu verfeinern. Der Mensch solle hellhörig werden sein, um die in jeder einzelnen Situation innewohnende Forderung herauszuhören. Ein Leben aus dem Gewissen heraus ist immer ein absolut persönliches Leben.
Das Gewissen entscheidet, ob der gefundene Sinn der wahre und der Situation angemessen ist. Wenn der Sinn mit seinem Gewissen vereinbar ist, befindet er sich auf dem richtigen Weg.
Aber: „Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“
In der Beratung wollen wir zu einer Entscheidung aus dem Gewissen heraus, befähigen. Dazu müssen wir schauen, wie authentisch wir sind. Haben wir einen sicheren Standpunkt uns gegenüber oder lassen wir uns von Gegebenheiten oder von Meinungen anderer leiten?
Können wir uns an einen konkreten Moment erinnern, wo wir aus dem Gewissen heraus entschieden haben? Traue ich mir zu, zu mir zu stehen und zu meiner Meinung? Kann ich sagen: „Deine Meinung ist entbehrlich?“. Kann meine Meinung ohne Angst vertreten? Kann ich das was ich will spüren? Verändert ein Gedanke mein inneres Empfinden?
Unser Gewissen kann auch verkümmern.
Durch stetige Anpassung an Äußeres, um zu entsprechen, zu funktionieren, um zu genügen, um beliebt zu sein, aus Angst vor Beurteilung, aus Angst nicht liebenswert zu sein, Angst vor Strafe, und nicht gut genug für diese Welt zu sein, aus Angst ein Versager zu sein, usw. kann unsere Person durch und durch manipuliert sein. Wir können gar nicht mehr wissen, was wir selbst sind, wer wir sind und was wir für uns selbst wichtig ist.
Dürfen wir überhaupt eigene Wünsche haben?
Sind wir berechtigt auch für uns selbst, Forderungen zu stellen, Liebe einfordern, Wünsche äußern, Dinge tun, die nur uns allein gut tun?
Können wir noch empfinden, was uns Freude machen würde?
Wenn der Hut brennt, wenn es ums Eingemachte geht oder wenn unser Inneres bedroht wird, meldet sich aber doch unser Lebenswille, und unser Gewissen sagt uns – So nicht.
Wenn ich dieses Gefühl der Gewissheit spüre, ist es mir auch egal was andere denken, da fährt der Zug darüber – die Intuition meldet uns – So und nicht anders, werde ich handeln.
Wir müssen unser Selbstvertrauen wieder aufbauen uns unserem Gefühl wieder vertrauen lernen. Wenn wir zu uns stehen können, wird es nicht mehr wichtig sein, wie andere von uns denken.
Das einzige Richtige ist, dass wir unser Eigenes in die Welt bringen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Dieses schlechte Gewissen kommt nur vom fremdbestimmten Über-Ich.
Meinungen die damals gegolten haben, wie „das gehört sich nicht“, „das tut man nicht“, „das darf man nicht“, „du bist nur etwas wert, wenn du deine Leistung bringst“, was sagen da, die anderen Leute“, „du musst etwas Gscheites aus dir machen“ und nicht zu vergessen die eingetrichterte Strafe Gottes in der Kirche.
Wenn ich nur unter Angst vor Folgen, Spaß haben kann, nur Ausgehen kann, unter dem Damoklesschwert, das gehört sich nicht, kann ich nie richtig genießen, weil ich immer der Meinung bin, ich tue etwas Falsches und habe somit ein schlechtes Gewissen und lebe an meiner Lebendigkeit vorbei.
Also, wir sehen das schlechte Gewissen ist nur gemacht.
Wir haben das Recht auf uns selbst und auf unsere Werte.
Schauen wir mal welche Möglichkeiten zum Sinnvollen Sein wir finden können. Und horchen wir hin, was unser Gewissen uns flüstert. Wir dürfen….!
Wenn wir aber sagen, wir sind auch so zufrieden, arbeiten wir gegen unser Gewissen, dann passen wir uns eben weiterhin an, und sind unzufrieden.
„Das Herz ahnt Dinge, die der Verstand nicht weiß“
Hintergrund:
Die Logotherapie wurde 1926 durch Dr. Viktor Emil Frankl geboren.
Logotherapie ist eine sinnorientierte, psychotherapeutische Behandlungsmethode.
Logos kommt nicht von „logisch“ sondern kommt aus dem Griechischen und bedeutet Geist, Sinn, Vernunft, Wort, Denken, Sprache, Reden von etwas, Lehre ect..
Nachdem er Medizin studierte, wurde er Psychiater und Neurologe. Nachdem er sich mit der Psychoanalyse Freuds (Wille zur Lust) und der Individualpsychologie Adlers (Wille zur Macht) beschäftigt und auch mitgewirkt hatte, fehlte ihm bei der Behandlung mit den bestehenden Theorien das Geistliche im Menschen (die Person eingebettet im Ganzen) und die Sinnbezogenheit.
Dadurch rief er die dritte Wiener Richtung, die Logotherapie (Wille zum Sinn) ins Leben, die auf den beiden vorigen aufbaut.
Die theoretische Grundlage der Logotherapie ist die Existenzanalyse.
Existenz kommt von „existere“, d.h. heraustreten. Sie bedeutet dass man aus sich heraustreten kann, wie eine Art Perspektivenwechsel um in Erscheinung treten zu können, um Dasein (Existenz), Beziehung (Werte), Freiheit in der Entscheidung, Verantwortung (Gewissen) zu einem sinnvollen Leben zu ermöglichen. Sie ist phänomenologisch, das heißt, sie wird im Dialog geführt und lässt sich vom Patienten leiten. Sie bewertet und deutet nicht. Es gibt kein richtig oder falsch.
Das Menschenbild in der Existenzanalyse geht davon aus, dass Mensch-Sein ver-standen wird als ein ständiges "In-Frage-Stehen", nämlich angefragt zu sein von erlebten und gespürten Werten (Beziehungen, Aufgaben etc.), die einem nicht gleich-gültig sind, weil es bei ihnen um den Wert des eigenen Lebens und um den Wert der erlebten Situation geht. Der Mensch ist in diesem Verständnis nicht nur ein Fragender und Fordernder, sondern wesentlich dazu da, auf seine Lebensfragen die ihm eigenen Antworten zu finden und sein Leben in Freiheit zu verantworten.

Menschliche Phänomene:
Selbsttranszendenz: aus sich heraustreten zu einem anderen hin z.B. lieben
Selbstdistanzierung: sich von sich selbst distanzieren, um einen anderen Blickwickel zu erreichen, dazu braucht man Distanz
Person sein ist immer schon ein Können. Nur als Person können wir Stellung nehmen.
Person ist gleich geistig - Wesen, Charakter und Biologie kommen zur Person erst „dazu“
Die Existenzanalyse wird in der Psychotherapie angewendet, die Logotherapie vor allem in der Beratung und Prophylaxe.
Die Logotherapie wirkt auch bei Suchtkrankenhilfe, Lebenshilfe, bei Schicksalsschlägen, in der Persönlichkeitsentwicklung, in der Sterbehilfe, Gerontagogik (Altenbetreuung), Pastoraltheologie, Schulpsychologie, Pädagogik, Bibliotherapie (Therapie durch Bücher), Heilpädagogik, in der religiösen Erziehung, Arbeitswelt, Kindererziehung, Erwachsenenbildung usw. nützlich.
Arbeitsweise
- Paradoxen Intention ( ins Lächerlich führende des Symptoms (nicht der Ursache)
- Dereflexion ( ignorieren der Symptome)
- Einstellungsmodulation (bei Negativen - was sich nicht ändern lässt, akzeptieren, was sich ändern lässt, aus einem anderen Blickwinkel betrachten; bei Positiven – die bestmögliche Ausnutzung anstreben)
- Dialog ( Fragen und Gegenfragen)
Erlebniswerte:
z.B. durch Musik, Kultur oder Natur; bringt Werte hervor die immer in Erinnerung bleiben;
Lieben, Begegnen, sie bereichern innerlich
Schöpferische Werte:
Blumen züchten, einen Garten anlegen, einen Schrank basteln, ein Fahrrad reparieren oder ein Buch schreiben.
Verwirklicht einen konkret sichtbaren oder fassbaren Wert
Höchste Werte - Einstellungswerte:
Indem wir bei unvermeidlichen und schicksalhaften Leid immer noch entscheiden können, welche Haltung wir dazu einnehmen. Wir können auch am Leid reifen. Man kann sein Leid tapfer ertragen oder sein Nichtgelingen mit Würde auf sich nehmen.
Zur Gegenüberstellung:
Die Logotherapie ist nicht zu verwechseln mit der Logopädie:
Aufgaben der Logopädie
Die Logopädie befasst sich mit Kindern mit Problemen des Wort- und Sprachentwicklungsprozesses, mit Mundbewegungs- und Sprechstörungen, mit Schwierigkeiten beim Sprechen, Wahrnehmungsstörungen, Schwierigkeiten beim Lesen-, Schreiben- und Rechnen lernen.
Störungsbilder bei Kindern:
- Sprachentwicklungsstörungen mit:
- eingeschränktem Wortschatz, Störungen im Sprachverständnis
- Lautfehlbildungen - Störungen der Aussprache
- Lese-Rechtschreib-Schwäche
- Sprachstörungen bei Schwerhörigkeit
- Stottern/Poltern (Sprechstörungen, die durch Stockungen im Redefluss und/oder durch das Wiederholen von Lauten, Silben, Wortteilen und Worten gekennzeichnet sind)
- Sprachstörungen bei Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten
- Störungen der der Schluck- und Kaufunktion im Zusammenhang mit Kieferregulierung und Artikulationsstörungen
- Kindliche Stimmstörungen/Heiserkeit
Störungsbilder bei Erwachsenen:
- Sprachstörungen in den Bereichen Sprechen, Verstehen, Schreiben und Lesen nach Schlaganfall, Unfall oder neurologischen Erkrankungen
- Sprechstörung nach neurologischen Erkrankungen
- Störung des Schluckens bei Nahrungsaufnahme
- Stimmstörungen unterschiedlicher Genese
- Störungen der Artikulation und Atmung bei neurologischen Erkrankungen, z.B. Morbus Parkinson, Multiple Sklerose
- Stottern/Poltern (Störungen des Redeflusses)
- Stimm- und Funktionsstörungen nach Tumoren
Von Website: http://www.therapiezentrum-werl.de/3/311.htm
Weblinks
Institut für Logotherapie und Existenzanalyse Tübingen / Wien
Internationale Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse, Wien
Forschungsplattform Logotherapie/Existenzanalyse
Viktor Frankl Zentrum Wien Informations- und Forschungsstätte für Logotherapie und Existenzanalyse
http://www.viktorfrankl.at Harald Mori, ehem. Assistent Viktor Frankls
http://www.abile.org Ausbildung nach Frankl in Österreich
www.christ-in-der-gegenwart.de Jürgen Springer: Der Wille zum Sinn - Psychotherapie, Hirnforschung, Religion
Logocoaching als Auslöser und Begleiter einer vom Klienten gewollten Werteentwicklung und Sinnfindung
Logotherapie Forum
Institut für Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl in Chur, Graubünden, Schweiz
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