Stammtisch Cafe Sophal

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2007-06-16

Die Geschichte vom Bleistift

Die Geschichte vom Bleistift

Der Junge sah zu, wie die Großmutter einen Brief schrieb. Irgendwann fragte er: »Schreibst du eine Geschichte, die uns passiert ist? Ist es vielleicht sogar eine Geschichte über mich?« Die Großmutter hielt inne, und mit einem Lächeln sagte sie zu ihrem Enkel: »Es stimmt, ich schreibe über dich.

Aber wichtiger als die Worte ist der Bleistift, den ich benutze. Es wäre schön, du würdest einmal so wie er, wenn du groß bist.« Der Junge schaute den Bleistift verwirrt an und konnte nichts Besonderes an ihm entdecken.. »Aber er ist
doch genau wie alle anderen Bleistifte!« »Es kommt darauf an, wie du die Dinge betrachtest. Der Bleistift hat fünf Eigenschaften, und wenn du es schaffst, sie dir zu eigen zu machen, wirst du zu einem Menschen, der in Frieden mit der Welt lebt.

Die erste Eigenschaft: Du kannst große Dinge tun, solltest aber nie vergessen, daß es eine Hand gibt, die deine Schritte lenkt. Diese Hand nennen wir Gott, und Er soll dich immer Seinem Willen entsprechend führen.

Die zweite Eigenschaft: Manchmal muss ich das Schreiben unterbrechen und den Anspitzer benutzen.
Dadurch leidet der Stift ein wenig, aber hinterher ist er wieder spitz. Also lerne, hin und wieder Schmerzen zu ertragen, denn sie werden dich zu einem besseren Menschen machen.

Die dritte Eigenschaft: Damit wir Fehler ausmerzen können, ist der Bleistift mit einem Radiergummi ausgestattet. Du musst begreifen, dass Korrigieren
nichts Schlechtes, sondern dringend erforderlich ist, damit wir auf dem rechten Weg bleiben.

Die vierte Eigenschaft: Worauf es beim Bleistift ankommt, ist
nicht das Holz oder seine äußere Form, sondern die Graphitmine, die in ihm drinsteckt. Also achte immer
auf das, was in dir vorgeht. Schließlich die fünfte Eigenschaft des Bleistifts: Er hinterlässt immer eine Spur. Auch du musst wissen, dass alles, was du im Leben tust, Spuren hinterlässt, und daher versuchen, was du gerade tust, ganz bewusst zu machen.

aus dem Buch „Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt“ von Paulo Coelho

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2007-04-03

Selbstbewusstsein - Webtipps

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Der linke und der rechte Flügel

Der linke und der rechte Flügel
Es war einmal ein kleiner Engel im Himmel, der den unwiderstehlichen Wunsch empfand, sich mit seinen Flügeln nicht nur schützend über die Menschen zu stellen. Er wollte selber auf ihren Strassen und Wegen gehen: einer von ihnen werden. Und eines Tages erblickte er eine eben erblühte Mohnblume. Da schien es dem jungen Engel, als habe er im Himmel noch nie ein solches Rot gesehen. Seine Sehnsucht, den feurigen Mohn aus nächster Nähe zu betrachten, wuchs mit jedem Tag. So trat er vor die Augen Gottes und bat: "Lass mich bitte auf die Erde; lass mich doch ein Mensch unter Menschen werden!" Sogleich trat ein weiser Engel hinzu und entgegnete: "Du weißt doch, dass es auf der Erde nicht nur Sonne und Blumen gibt. Es hat auch Stürme und Unwetter und allerhand Ungemütliches." "Ja", erwiderte der kleine Engel, "das weiss ich. Doch sah ich auch einen Menschen, der hatte die Kraft, einen grossen Schirm auszuspannen, so dass darunter zwei Platz fanden. Und es schien mir, den beiden könne kein Unwetter etwas antun." Da lächelte Gott dem kleinen Besserwisser zu. Die Zeit verging, und eines Tages erschien das junge Wesen erneut vor dem Thron Gottes: "Ich habe mir noch mehr von der Erde angesehen. Es drängt mich mehr und mehr hinunter." Wieder trat der erhabene Engel vor und belehrte: "Weisst du auch, dass es Nebel und Fröste gibt und eine Unzahl verschiedener Arten von Glatteis auf der Erde? "Ja sicher", meinte der kleine Engel, "ich weiss um die Gefahren. Doch ich sah auch Menschen, die teilten ihre warmen Mäntel, und andere, die gingen bei Glatteis Arm in Arm." Erneut lächelte Gott dem himmlischen Erdenträumer zu. Als dann wieder einige Jahre verstrichen waren, trat der kleine Engel zum dritten Mal in die Gegenwart Gottes und flehte: "Bitte, lass mich ein Mensch werden. Der Mohn blüht dort unten so unbeschreiblich rot. Mein Herz ist voller Sehnsucht nach diesem Feuer!" Schon wieder trat der erhabene Schutzengel dazwischen."Weisst du denn nicht, wie schnell diese Art von Blumen welkt, dass sie zerbrechlich und verwundbar sind?" "Bestimmt, und ich weiss auch um die Sterblichkeit. Trotzdem gibt es kein roteres Rot in der Welt und in meinem Herzen. Es lässt mir keine Ruhe mehr." Nun entsprach Gott dem Wunsch des unruhigen Geistes. Doch gemäss alter Tradition musste dieser einen seiner beiden Flügel an der Himmelspforte abgeben.
Und so kam es, dass der kleine Engel auf der Erde die Suche nach seinem feurigen Mohnfeld etwas schwerfällig und mit Linksdrall begann. Der Weg führte ihn durch die weite Welt. Ständig wurde er aufgehalten; die Erde schien auf einmal nur noch aus Stürmen und Ungemütlichem zu bestehen. Je verzweifelter er suchte, um so mehr Unverständnis und Ablehnung fand er vor. Niemand wollte mit dem unerfahrenen Engel gemeinsame Sache machen; keiner spannte für ihn einen grossen Schirm auf, und einen wärmenden Mantel bekam er schon gar nicht. Waren etwa das flammende Rot der Mohnblume und all die guten Menschen auf der Erde bloss eine optische Täuschung aus dem Jenseits gewesen? Doch das Verlangen war stärker als der Zweifel. Obwohl es aussichtslos schien, blieb er seiner Suche entschlossen treu. So gelangte er eines Tages müde an den Rand eines Abgrundes. In der Ferne entdeckte er, jenseits eines gewaltigen Flusses, sein ersehntes Mohnfeld. Ein derart festliches Rot hatte er nun wirklich noch nie gesehen! Er meinte, das Blut von Mutter Erde vor sich zu haben. Der alt gewordene kleine Engel weinte vor Freude und Trauer zugleich. Denn er musste einsehen, dass er diesen Graben ohne fremde Hilfe niemals würde überqueren können. Während er vor sich hintrauerte, gesellte sich ein Wanderer zu ihm, und gemeinsam bestaunten sie den unbeschreiblich glühenden Horizont. Gezeichnet von den Stürmen des Lebens überlegte der Engel: "So müsste denn wohl die Farbe der Liebe sein." "Ja, aber weisst du denn nicht, wie schnell diese Art von Blumen welkt, dass sie verwundbar und zerbrechlich sind?", hörte der ehemalige Himmelsbewohner seinen Begleiter flüstern. Und der Mensch, der einmal ein Engel gewesen war, erinnerte sich plötzlich an all das, was er einmal selber im Angesichte Gottes behauptet hatte. "Ja, ich weiss um ihre Sterblichkeit. Trotzdem gibt es kein roteres Rot in der Welt und in meinen Herzen. Diese Blumen sind wie die Liebe. Mag das Äussere auch verwelken, ihr Rot bleibt in meiner Seele." Da blickten sich die beiden Wanderer ins Gesicht. Sie erkannten den letzten Funken Himmelslicht in den Augen des Anderen. Und mit einem Schlag wussten sie, woher sie kamen, wozu sie gewandert und wohin sie noch unterwegs waren. Sie entdeckten auch, dass jeder von ihnen bloss einen Flügel besass. Voller Freude umarmten sie sich. Ein Wunder geschah: Gemeinsam konnten sie fliegen, gelangten sogar zum feurigen Mohnfeld und noch viel weiter... So sind auch wir Menschen wie Engel mit nur einem Flügel. Wenn wir unser Ziel erreichen und fliegen wollen, müssen wir einander umarmen.

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Drei Fragen von Leo N. Tolstoi


Die drei Fragen
Es dachte einmal ein König, nichts könne ihm missglücken, wenn er nur immer die Zeit wüsste, in der er ein Werk zu beginnen habe, und wenn er immer wüsste, mit welchen Menschen er sich einlassen solle und mit welchen nicht, und wenn er immer wüsste, welches von allen Werken das wichtigste sei.
Es kamen gelehrte Männer zum König und gaben ihm mancherlei Antworten auf seine Fragen.
Aufs eine erste Frage antworteten die einen, um für jedes Werk die rechte Zeit zu wissen, müsse man vorher eine Einteilung für den Tag, den Monat und das Jahr aufstellen und sich streng an das halten, was für den einzelnen Tag festgesetzt ist. Andere sagten wieder anderes.
Ebenso verschieden lautete die Antwort auf die zweite Frage. Die einen sagten, die dem König unentbehrlichsten Männer seien die Staatsmänner, andere, die Priester und Seher. Die dritten erklärten, es seien die Ärzte, und die vierten behaupteten, es seien die Krieger.
Auf die dritte Frage, welches das wichtigste Werk sei, antworteten die einen, das sei die Wissenschaft, die anderen sprachen, die Kriegskunst, wieder andere nannte die Gottesverehrung. Alle Antworten waren verschieden.
Daher passte dem König keine einzige von ihnen, und er belohnte niemand. Um aber ganz genaue Antworten auf seine Fragen zu erhalten, entschloss er sich, einen Einsiedler zu befragen, dessen Weisheit in großem Rufe stand. Der Einsiedler lebte im Wald, verließ seine Wohnstätte nie und empfing nur einfache Leute. Darum zog der König ein schlichtes Gewand an, stieg vom Pferd weit vor der Klause des Einsiedlers, ließ sein Gefolge zurück und ging allein durch den Wald. Als der König sich dem Einsiedler näherte, grub dieser vor seiner Hütte die Beete um. Er erblickte den König, begrüßte ihn und grub ruhig weiter. Er war mager und schwach und keuchte schwer, indem er den Spaten in die Erde stieß und die kleinen Schollen umwandte. Der König trat an ihn heran und sprach: "Ich bin gekommen, weiser Einsiedler, um die zu bitten, mir drei Fragen zu beantworten: "Welches ist die Zeit, die man einhalten muss und nicht versäumen darf, um hinterher nichts bereuen zu müssen? Welche Leute sind die unentbehrlichsten? Mit welchen Leuten muss man sich als mehr, mit welchen weniger befassen? ... Welche Werke sind die wichtigsten, und welches von allen Werken muss daher zuerst getan werden?"
Der Einsiedler hörte dem König zu, antwortete aber nicht. Er spuckte in die Hände und begann wieder zu arbeiten. "Du bist erschöpft", sagte der König, "gib mir den Spaten, und setze dich auf die Erde." - "Danke", erwiderte der Einsiedler, reichte dem König den Spaten und setzte sich auf die Erde nieder. Als der König zwei Beete umgegraben hatte, hielt er inne und wiederholte seine Fragen. Der Einsiedler antwortete nicht, stand auf und streckte die Hände nach dem Spaten aus. "Jetzt ruhe du, ich will nun ..." sagte er. Der König aber gab den Spaten nicht her und fuhr fort zu graben. Es verging eine Stunde, eine zweite, die Sonne begann hinter den Bäumen zu verschwinden, da steckte der König den Spaten in die Erde und sagte: "Ich bin zu dir gekommen, weiser Mann, um auf meine Fragen eine Antwort zu erhalten. Wenn du nicht antworten kannst, so sag es doch, dann will ich nach Hause gehen."
"Sieh einmal, da kommt jemand gelaufen", sprach der Einsiedler, "lass sehen, wer das ist." Der König sah, dass in der Tat aus dem Walde ein bärtiger Mann gelaufen kam. Der hielt sich die Hände vor den Leib, und zwischen den Fingern sickerte Blut hervor. Als er bis zum König gelangt war, fiel er zu Boden, lag unbeweglich da und ächzte leise. Der König und der Einsiedler öffneten die Kleider des Mannes. In seinem Leib war eine tiefe Wunde. Der König wusch sie, so gut er konnte, und verband sie mit seinem Taschentuch und mit einem Handtuch des Einsiedlers. Aber das Blut hörte nicht auf zu strömen, und der König nahm zu wiederholten Malen den mit warmen Blut durchtränkten Verband ab, wusch die Wunde von neuem und verband sie wieder. Als das Blut endlich gestillt war, bat der Verwundete um Wasser. Der König trug frisches Wasser herbei und gab ihm zu trinken.
Inzwischen war die Sonne untergegangen, und es war kühl geworden. Mit Hilfe des Einsiedlers trug der König den Verwundeten in die Klause und legte ihn aufs Bett. Der Verwundete schloss die Augen und wurde still. Der König aber war so ermüdet, dass er, auf der Schwelle zusammengekauert, ebenfalls einschlief, und zwar so fest, dass er die ganze kurze Sommernacht verschlief.
Als er am Morgen erwachte, konnte er lange nicht begreifen, wo er war und wer dieser sonderbare bärtige Mann war, der auf dem Lager ausgestreckt lag und ihn unausgesetzt mit leuchtenden Augen ansah. "Verzeih mir", sprach der bärtige Mann mit schwacher Stimme, als er bemerkte, dass der König erwacht war und ihn anblickte. "Ich kenne dich nicht und habe dir nichts zu verzeihen", erwiderte der König. "Du kennst mich nicht, aber ich kenne dich. Ich bin dein Feind, jener Feind, der geschworen hat, an dir Rache zu nehmen, weil du meinen Bruder hingerichtet und meine Güter genommen hast. Ich habe dich töten wollen, und du hast mir das Leben gerettet. Von nun an, wenn ich am Leben bleibe, und wenn es dir recht ist, will ich dir als dein treuester Gefolgsmann dienen, und auch meinen Söhnen will ich das zu tun befehlen. Verzeihe mir!"
Der König war sehr froh darüber, dass es ihm so leicht gelungen war, sich mit seinem Feinde auszusöhnen, und er verzieh ihm nicht nur, sondern versprach auch, ihm seine Güter zurückzugeben und ihm außerdem seine Diener und seinen Arzt zu schicken.
Als er sich von dem Verwundeten verabschiedet hatte, trat der König hinaus auf die Vortreppe und suchte mit seinen Augen den Einsiedler. Er war draußen bei den Beeten, die er gestern umgegraben hatte, kniete am Boden und säte Gemüsesamen. Der König trat an ihn heran und sprach: "Zum letzten Mal, du weiser Mann, bitte ich dich, meine Fragen zu beantworten!" "Aber du hast ja deine Antwort schon bekommen!" erwiderte der Einsiedler. Er richtete sich auf und sah den König an. "Ich sollte Antwort bekommen haben?" fragte der König. "Natürlich", erwiderte der Einsiedler. "Hättest du gestern nicht Mitleid mit meiner Schwachheit gehabt und diese Beete umgegraben, sondern wärst du allein zurückgegangen, so hätte dieser Mann dich überfallen, und du hättest bereut, dass du nicht bei mir geblieben bist. Somit war die richtige Zeit jene, als du die Beete umgrubst, und ich war der wichtigste Mann, und das wichtigste Werk war, mir Gutes zu tun. Dann, als jener Mann angelaufen kam, war die wichtigste Zeit, seiner zu pflegen, denn sonst wäre er verblutet, ohne dass er sich mit dir versöhnt hätte. Er war für dich der wichtigste Mensch, und das, was du ihm getan hast, war das wichtigste Werk.
Merke dir - die wichtigste Zeit ist nur eine: der AUGENBLICK. Nur über ihn haben wir Gewalt. Der unentbehrlichste Mensch ist der, mit dem uns der Augenblick zusammenführt; denn niemand kann wissen, ob er noch je mit einem anderen zu tun haben wird. Das wichtigste Werk ist, ihm Gutes zu erweisen - denn nur dazu ward der Mensch ins Leben gesandt.

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Einsamkeit- ich glaub von Stefanie Werger

Du wirkst so lächerlich vulgär in deinem farblosen Kleid dein Atem riecht so widerlich
duu bist die Mißgeburt der Zeit.

Lüg mich nicht an mit deinem Lächeln
ich erfrier, wenn ich es seh
wie eine fette, schwarze Ratte
springst du mich an und tust mir weh.

Ich geb ja zu,
ich hab dich manchmal schon gesucht
wenn ich gehetzt war, wie ein Tier
doch du bist unerbitterlich treu
und manchmal unverschämt verrucht
du liebst mich wund in deiner Gier

Einsamkeit - hab Erbarmen
laß mich los -
mir ist so kalt in deinen Armen laß mir endlich etwas Licht
ich will deine Liebe nicht
die alles, was noch in mir lebt zerbricht.

Ich treffe dich in Menschenmengen
mit deinen toten kalten Augen
versuchst Gefühe zu verdrängen
die noch an leises Feuer glauben.

Wenn ich beginne, frei zu atmen
nimmst du mich unerwartet ein
ziehst mich in deine stille Hölle
und es hat keinen Sinn zu schrei`n.

Wenn du schon glaubst
dass es ohne mich nicht geht
mach ein gefälliges Gesicht
putz die die Zähne, wasch dein Haar
und liegst du nachts bei mir im Bett
dann berühr mich bitte nicht.

Einsamkeit - hab Erbarmen
laß mich los -
mir ist so kalt in deinen Armen
laß mir endlich etwas Licht
ich will deine Liebe nicht
die alles, was noch in mir lebt zerbricht.

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